Psychotherapeutisches Grundstudium

 

Zielgruppe

Das Grundstudium (4 Semester) richtet sich grundsätzlich an alle Interessenten, die tiefenpsycholo-gisch-psychotherapeutisches Denken und Handeln erlernen wollen. Es  erfüllt alle Weiterbildungs-inhalte nach WBO für die angehenden Fachärzte für Psychiatrie bzw. Kinder-/Jugendpsychiatrie sowie diejenigen für die Zusatzbezeichnung „fachgebundene Psychotherapie“.

Die umfassenden Weiterbildungsinhalte der WBO für die Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie erfordern zusätzliche Belegung des Aufbaustudiums (2 Semester).

 

Curriculum

Im 2-jährigen Grundstudium werden den Weiterbildungsteilnehmern die theoretischen Grundlagen der psychoanalytischen Entwicklungs- und Persönlichkeitstheorie einschließlich bindungstheoretischer und neurobiologischer Erkenntnisse sowie der allgemeinen und speziellen Krankheitslehre vermittelt. Weitere Theoriebausteine sind: die Psychodynamik von Paaren, Familien und Gruppen; Psychopharma-kologie; Grundlagen der psychiatrischen und psychosomatischen Krankheitsbilder; psychodiagnosti-sche Testverfahren sowie eine Einführung in die Lerntheorien und die Verhaltenstherapie.

 

Im ersten Weiterbildungsjahr liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung der Grundlagen von Psycho-therapie, den verschiedenen Anwendungsformen, der theoretischen Fundierung der tiefenpsycholo-gischen PT. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Vermittlung der Theorie und Technik des psycho-dynamischen Erstinterviews und der bio-psycho-sozialen Anamnese. Neben der Theorievermittlung, die in allen Veranstaltungen eng verzahnt wird mit den klinischen und ersten psychotherapeutisch-praktischen Erfahrungen der Teilnehmer, findet im ersten Weiterbildungsjahr ein fortlaufendes Erst-interview- und Anamnesenpraktikum statt, in dem die WBT ihre ersten Erfahrungen mit der psychody-namischen Interviewtechnik vorstellen und miteinander diskutieren können. Mindestens sechs der in den WBO geforderten Anamnesen sollen in der Regel im ersten Weiterbildungsjahr erhoben, ausgear-beitet und supervidiert werden, was teilweise im Rahmen des Anamnesenpraktikums möglich ist.

 

Im zweiten Weiterbildungsjahr werden die Theoriekenntnisse der Teilnehmer erweitert und vertieft.

Der Schwerpunkt liegt jetzt auf der Einführung in die psychodynamische Behandlungstechnik in der Einzelbehandlung. Zentrale Themen sind u.a.: die therapeutische Beziehung, Umgang mit Suizidalität und anderen Krisen im Behandlungsverlauf, medikamentöse Begleittherapien und ihre „Wechselwir-kungen“ mit der PT, Sonderformen der Psychotherapie und ihre Indikationen und Kontraindikationen (Fokaltherapie; stationäre/teilstationäre Behandlung), Beendigung von Therapien.  Das Praktikum des ersten Weiterbildungsjahres wird nun als Behandlungstechnisches Fallseminar fortgeführt, in dem die Teilnehmer ihre klinischen oder ambulanten Patienten regelmäßig vorstellen und so ihr theoretisches Wissen und ihre psychotherapeutischen Fähigkeiten immer besser miteinander verknüpfen können.

 

Dabei spielt die relativ konstante Ausbildungsgruppe mit Teilnehmern aus verschiedenen beruflichen Feldern, in denen Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern und Altersstufen behandelt werden, eine tragende Rolle. Die Unabhängigkeit der Fallarbeit vom jeweiligen Arbeitsumfeld und der Einbin-dung in hierarchische Strukturen am Arbeitsplatz ermöglicht ein angstfreieres Lernen und mehr Of-fenheit für die eigenen Wahrnehmungen und (Gegenübertragungsgefühle). Auch das wachsende Ver-trauen innerhalb der Lerngruppe trägt zu einer  kontinuierlichen Entwicklung psychotherapeutischer Haltung und Identität bei.

 

Ein erfolgreich absolviertes Grundstudium mit insgesamt 60 DS Theorie und je 10 DS Anamnesen- und Behandlungspraktikum bietet alle theoretischen Inhalte der Psychotherapieweiterbildung für Fach-ärzte für Psychiatrie bzw. Kinder-/Jugendpsychiatrie sowie für die Zusatzbezeichnung  „Fachgebun-dene Psychothera­pie“.

 

Abschluss:

Ärzte in der Facharztausbildung erhalten eine Bescheinigung des WBK über die erworbenen Weiter­bildungsinhalte zur Vorlage bei den zur Facharztausbildung befugten Klinikleitern.

 

Fachärzte, welche die notwendigen Inhalte für die Zusatzbezeichnung „fachgebundene Psychotherapie“ erworben haben, erhalten nach einer qualifizierenden Falldarstellung ein Zeugnis durch einen zur Weiterbildung befugten Arzt des WBK. Dieses Zeugnis qualifiziert zum Fachgespräch bei der zustän-digen Ärztekammer.